Das Konzil und die Protestanten
Unter anderem durch die gemeinsame Verteidigung des christlichen Glaubens gegen den Nationalsozialismus entwickelt die ökumenische Bewegung in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine große Eigendynamik. Nachdem die Bemühungen des I. Vatikanischen Konzils zur Rückholung der getrennten Gemeinschaften rasch im Sande verlaufen waren, wagt Papst Johannes XXIII. optimistisch einen neuen Anlauf. Er ruft das „Sekretariat zur Beförderung der Einheit der Kirchen“ ins Leben, dem die Aufgabe zukommt, Beobachter ausgewählter „nichtkatholischer Kirchen“ zu den Konzilssitzungen einzuladen. Deren Anwesenheit – und das bei vielen Konzilsvätern und -theologen bereits weit verbreitete protestantische Ideengut – haben gravierende Auswirkungen auf die vom Konzil verabschiedeten Schemata.